EuroComGermDie Regeln der Wortbildung sind in den anderen germanischen Sprachen sehr ähnlich wie im Deutschen. Die Bildung von Komposita ist gleichermaßen üblich, wie schon die Beispiele Milgramexperiment und försöksperson zeigen. Es ist nicht selten, dass ein solches Kompositum insgesamt nicht im Deutschen existiert, aber die Teile wiedererkennbar sind und von daher die Gesamtbedeutung erschlossen werden kann. Ein Problem kann sich (nicht nur dann) daraus ergeben, dass nicht immer klar ist, wo die "Nahtstelle" zwischen den Teilen liegt (Segmentierung), und die Teile daher nicht erkannt werden, etwa bei Wörtern wie dän. frieksemplar, frostskade, gallupundersøgelse oder schwed. asätare und nl. zonsondergang und afvalolie*. Die einzige Möglichkeit ist dann, auszuprobieren, bei welcher Unterteilung sich evtl. wiedererkennbare Teile ergeben.Hilfreich ist es
dabei oft, auf bestimmte häufig wiederkehrende Affixe (Vor- oder Nachsilben) zu
achten, wie in diesen Beispielen under- / onder- , die nicht nur als
Verbpartikel oft vorkommen, sondern dementsprechend auch - wie hier - als Teil
aus den Verben abgeleiteter Substantive. Die meisten
Wortbildungsaffixe existieren auch im Deutschen (wie unter-), einige wenige
muss man dagegen neu kennenlernen. Das Suffix -else (undersøgelse) ist
so ein Fall, von der Funktion her entspricht es dem deutschen -ung. Auch in dem Text
über das Milgramexperiment kommt eine Reihe solcher Wortbildungsaffixe vor. Die
meisten der damit gebildeten Wörter existieren in diesem Fall allerdings
genauso auch im Deutschen. Dennoch erleichtert es das Erkennen, wenn man sich
z.B. einmal eingeprägt hat, dass schwed. för- dem deutschen ver-
entspricht: Schon in diesem kurzen Text kommt es zweimal vor (försök und förmåga).. * Lösungen: fri-eksemplar 'Freiexemplar', frost-skade 'Frostschaden', gallup-undersøg-else "Gallup-Untersuchung" ('Meinungsumfrage', vgl. engl. Gallup poll), as-ätare 'Aas(fr)esser', zons-ondergang 'Sonnenuntergang', afval-olie "Abfall-Öl" ('Altöl'). |
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