Niederländisch: Grammatik

 

                 Niederländisch

                Grammatik

 
Insgesamt ist die niederländische Grammatik erheblich einfacher als die deutsche.

Syntax

 

In der Syntax weisen Niederländisch und Deutsch kaum Unterschiede auf; die Wortfolge ist in beiden Sprachen sehr variabel. Vgl.

      Omdat ze vandaag geen tijd heeft, zal ze het morgen wel brengen.

      Weil sie heute keine Zeit hat, wird sie es morgen schon bringen.

Hij komt, zodra hij het boek heeft gevonden (oder auch: gevonden heeft).

               Er kommt, sobald er das Buch gefunden hat.

Die seltenen Unterschiede kommen vorwiegend bei drei aufeinander folgenden Verbformen vor:

               Ze gaat nog terug, omdat ze het niet heeft kunnen vinden.

               Sie geht noch zurück, weil sie es nicht hat finden können.

Auch innerhalb der Substantivgruppe ist die Wortfolge gleich:

               Ze nemen een heel gevaarlijke scherpe bocht.

               Sie nehmen eine sehr gefährliche scharfe Kurve.

Morphologie der Substantive

 

Kasusmorphologie

Im Niederländischen ist die Kasusmorphologie bis auf einige erstarrte gebeugte Formen verschwunden (iets moois / etwas schönes, de heer des huizes / der Hausherr/Gastgeber, van goeden huize zijn / aus gutem Hause stammen u.ä.). Dadurch ist das Niederländische teilweise analytischer als das Deutsche (Präposition statt Kasus):

   Dat beantwoordt aan de feiten.            Het boek van de kinderen.

   Das entspricht den Tatsachen.              Das Buch der Kinder.

Plural

Die Pluralendungen beschränken sich  - abgesehen von vereinzelten Ausnahmen - auf -(e)n und -s. -en ist die häufigste Pluralendung.

-s kommt vor:
- wie im Deutschen bei Vokalendung, allerdings mit Abtrennungszeichen nach -a, -o ,-u: radio’s, paraplu’s / Regenschirme, la’s (neben: laas) / Schubladen;
- bei Substantiven auf -el, -em, -en und -er: trommels, bodems / Böden,  molens / Mühlen, hamers / Hämmer;
- bei Personenbezeichnungen auf -ier: tuiniers / Gärtner (aber: nicht bei Sachnamen: formulieren)
- bei den im Niederländischen sehr beliebten Diminutiva: 2 kopjes thee, enkele cadeautjes.
Oft sind beide Formen möglich, ohne dass es dafür genaue Regeln gibt:
- leraars + leraren / Lehrer (aber nur: wandelaars / Spaziergänger), appels + appelen / Äpfel, premiën + premies usw.    

Einige het-woorden (s. Genus) haben -eren (entspricht Deutsch ¨-er, ist aber weniger häufig):
goederen / Güter, volkeren / Völker, kinderen / Kinder (vgl. been mit den Pluralformen benen / Beine neben beenderen / Knochen).
In einigen seltenen Fällen ändert sich beim Plural die Aussprache des Stammvokals[1] oder des letzten Konsonanten[2], was sich auch in der Rechtschreibung zeigt.

 Genus

Im Niederländischen ist das Genus fast verschwunden, bis auf die Personalpronomina im Singular, wo noch 3 Genera erhalten sind, und Bezeichnungen nur für Frauen oder Männer (allerdings können ursprünglich maskuline Bezeichnungen meist für Frauen verwendet werden, auch für die einzelne Frau; sehr viele Personenbezeichnungen sind zudem geschlechtsneutral, wie arts / Arzt oder professor, in dem Sinne, dass eine Femininbildung nicht möglich ist).

Artikel

Das Niederländische hat de-woorden und het-woorden, wobei de Mask./Fem., het Neutrum entspricht. Im Plural steht immer de. Der unbestimmte Artikel ist in allen Fällen een (bei der Aussprache meist zu ’n gekürzt).

 

Pronomina

 

Bei den Personalpronomina kommen wie auch im Englischen teilweise noch Kasusformen vor (siehe die Übersicht in 3.9). Die 1. und 2. Person (Singular und Plural) sind mit den deutschen Entsprechungen verwandt, bis auf den Nominativ mask. Sing. (hij, vgl. engl. he) und die Akkusativ-/Dativform der 3. Person Plural (hen/hun). Für die 2. Person werden andere Formen verwendet: jij oder unbetont je für Singular (vgl. engl. you), jullie für Plural (entstanden aus jij + lui/lieden, dt. Leute). Die Höflichkeitsform u ist entstanden aus Uw Edelheid, wobei uw das Possessivpronomen zu gij/ge ist, eine Nebenform zu jij/je, die umgangssprachlich in Flandern noch häufig verwendet wird.

Das Relativpronomen hat andere Formen als der Artikel. Die Entsprechung zu de ist die, zu het ist dat. Mit einer Präposition wird für Personen met wie (wie = wer/n/m) , van wie usw. verwendet, für alle anderen Substantive waarmee, waarop (waar = wo) usw. (für weitere Pronomina siehe 3.9 und 3.10).

 

Adjektivdeklination

 

Beim Adjektiv kommen nur 2 Endungen vor: -e oder Null-Endung. Null-Endung kommt nur bei het-Substantiven mit dem unbestimmten Artikel vor, sonst immer -e:

De/Een grote nieuwe wagen. Het grote nieuwe boek. De grote nieuwe wagens/boeken. Aber: een groot nieuw boek.

 

Steigerungspartikel für Adjektive: wie Deutsch: -er, -st(e): goed, beter, de/het beste; mooi, mooier, de/het mooiste. Bei längeren Adjektiven oft: meer, meest: de/het meer geschikte (der/die/das geeignetere) de/het meest succesvolle (= der/die/das erfolgreichste).

 

 

Komparativ

Superlativ

machtig

      machtiger

                  machtigst

leuk

       leuker

                   leukst

 
Unregelmäßige Steigerungsformen: goed-beter-best / weinig-minder-minst / veel-meer-meest / graag-liever-liefst.
 

Konjugation

 

Die Konjugation ist in beiden Sprachen sehr ähnlich, aber das Niederländische hat vom Konjunktiv nur noch einige seltene Restformen. Für den deutschen Konjunktiv der indirekten Rede wird Indikativ verwendet, für den Irrealis u.ä. (Konjunktiv II) die Umschreibung mit zou oder Pl. zouden (etymologisch verwandt mit sollte, aber verwendet wie dt. würde), auch bei den Hilfs- und Modalverben. Beim Imperativ wird fast nur noch die 2. Person Sing. verwendet, sie entspricht dem Stamm des Verbs: kom / komm, geef / gib, verontschuldig / entschuldige.

 

Die Formen im Präsens ähneln denen im Deutschen, mit dem Unterschied, dass im Singular die 1. Person kein -e nach dem  Stamm hat , die 2. Person (wie die 3). nur -t . Im Plural haben alle  3 Personen -en . Bei Inversion hat die 2. Person Singular kein -t (ik leef - je leeft/leef je - hij/zij leeft;  wij leven - jullie leven - zij leven / leben) (vgl. o. Pronomina).

 

Bei den Vergangenheitsformen der regelmäßigen Verben steht  -t  nach einem Stamm, der auf einen stimmlosen Konsonanten endet, und -d - nach einem Stamm, der auf einen stimmhaften Konsonanten endet: maken – maakte – gemaakt / machen oder verdienen –verdiende – verdiend.

 

Bei den unregelmäßigen Verben kommen bei den Stammformen dieselben Gruppen wie im Deutschen vor (vgl. verliezen-verloor-verloren, vergeten-vergat-vergeten / vergessen).

 

Die Verben auf -ieren = Nld. -eren haben ein regelmäßiges Partizip II mit ge-: gerepareerd, gecombineerd.


[1] Meist wird dann der kurze Vokal lang: pad wird paden / Pfad(e), dag  dagen / Tag(e), stad steden / Stadt Städte, god goden / Gott Götter, waarheid  waarheden / Wahrheit(en)

[2] dief dieven / Dieb(e), muis  muizen / Maus Mäuse, heg heggen / Hecke(n)